Politikverdrossenheit – Warum?

Ein Leserbrief.

Viele Politiker bemängeln, dass immer weniger Wahlberechtigte bei Bundestagswahlen, Landtagswahlen und auch bei Bürgermeisterwahlen ihre Stimmen abgeben. So lag die Wahlbeteiligung bei der Bürgermeisterwahl 2008 in der Marktgemeinde Altdorf in Niederbayern bei rund 58 Prozent. 42 Prozent der Altdorfer schien es also egal zu sein, wie es mit der Marktgemeinde weitergehen soll. In den Medien wird in diesem Zusammenhang oft von der sogenannten Politikverdrossenheit gesprochen. Das heißt, die Bürger und Bürgerinnen zeigen kein Interesse mehr an politischen Vorgängen, engagieren sich nicht mehr in der Politik und gehen deshalb auch nicht mehr zur Wahl. Fragt man nach Gründen, wird oft wie folgt geantwortet: Die da oben machen doch eh, was sie wollen. Erst versprechen sie dir das Blaue vom Himmel, und wenn sie dann gewählt werden, kann sich keiner mehr an die Versprechen erinnern.
Der Altdorfer Bürgermeisterkandidat der CSU, Helmut Maier, kennt diese Problematik, muss man jedenfalls annehmen und hatte diese Woche eine glorreiche Idee im Kampf gegen die Wahlverweigerer. In seinem aktuellen Wahlkampfflyer versucht Maier geradezu enthusiastisch die Bürger und Bürgerinnen der Marktgemeinde Altdorf zum Wählen zu motivieren, indem er in seinem auf Hochglanz poliertem Faltblatt anmerkt: Helmut Maier ist ehrlich und macht keine Wahlversprechen. Was heißt das?
Um diese Frage zu beantworten, muss der Begriff „Wahlversprechen“ kurz erläutert werden. Ein Wahlversprechen ist für sich genommen eine ernsthafte und feierliche Ankündigung eines Kandidaten, im Falle des Wahlsieges, etwas Bestimmtes für den Wähler, für die Gemeinde zu tun. Der Bürgermeisterkandidat der CSU ist in seinem Flyer sehr ehrlich und beteuert schon jetzt, falls er zum 1. Bürgermeister gewählt wird, nichts für den Wähler, für die Gemeinde zu tun.
Das hört sich jetzt härter an, als es gemeint ist. Es heißt eigentlich nur, dass Helmut Maier in Bezug auf das Bürgermeisteramt keine Visionen oder Ideen hat. Naja, und das ist doch nicht so schlimm, oder?
Stellen wir uns mal ganz kurz ein mittelständisches Unternehmen vor, das expandieren will und deshalb einen neuen Abteilungsleiter sucht. Zwei Kandidaten stehen zur Wahl. Beide Kandidaten werden gefragt, was sie für das Unternehmen tun wollen und weshalb sie glauben, der Richtige für die ausgeschriebene Stelle zu sein. Kandidat eins antwortet: Ich habe keinerlei Visionen oder Ideen. Ich kann nichts versprechen. Allein meine Qualifikationen sprechen für mich. Kandidat zwei sagt: Ich bin davon überzeugt, dass nur ein kundenfreundliches Unternehmen langfristig erfolgreich sein kann. Ich werde meinen Mitarbeitern diese Philosophie vorleben. Für wen wird sich das Unternehmen entscheiden?
Auch Altdorf muss sich am Sonntag, den 29.07.2012 zwischen zwei Bürgermeisterkandidaten entscheiden. Zwischen Helmut Maier, der an Altbewährtem festhalten möchte, und dem Bürgermeisterkandidaten der SPD und Parteilose Wähler, Georg Wild, der ebenfalls Altbewährtes bewahren, Altdorf aber durch Visionen und neue Ideen zusätzlich beleben will. Diese Ideen hatte er am Mittwoch im Gasthaus Frauenbauer nochmals kurz erläutert. Georg Wild will z.B. dafür sorgen, dass Altdorf die bürgerfreundlichste Gemeinde in ganz Niederbayern wird. Was für ein revolutionärer politischer Gedanke.
Gehen Sie am Sonntag, den 29.07.2012 zur Wahl und entscheiden Sie, wer die Geschicke Altdorfs bis April 2020 lenken soll.

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